Autor: Rolf Schröder

  • Das liebe Geld – 3 Monate Bali 8/12

    Das liebe Geld – 3 Monate Bali 8/12

    Habe gerade auf Spiegel Online gelesen, dass Bali ein zunehmendes Problem mit bettelnden Touristen hat. Sie reisen hierher, setzen sich an die Straße oder den Strand, breiten ein kleines Schild vor sich aus, auf dem so oder ähnlich steht: „Bin auf Reisen, brauche Geld.“ Bemerkenswert. Und wie der Zufall es so will, werde ich in einigen Tagen, wenn mein Bargeld zur Neige geht, mich dazu setzen.

    Bisher habe ich mich aus den Geldautomaten mit Bargeld versorgt. Das war nicht immer einfach, ich berichtete an anderer Stelle darüber, aber es ging. Vorgestern wollte ich nun meinen Bestand auffüllen. Gesagt getan, reihte ich mich in die Schlange vor dem Automaten ein. Immer mit der Befürchtung, wenn ich dran bin ist der Kasten leer. Mal sehen. Karte in den Schlitz, dann durch die selbsterklärende Beschreibung und warten, dass sich das Fach mit dem Bargeld öffnet. „Wir können den Prozess leider nicht beenden. Bitte versuchen sie es erneut.“ Hahaa, eine neue Variante balinesischen Humors, dachte ich noch voller Zuversicht. Geld gibt es erst nach dem dritten Versuch.

    Mein vierter Versuch. Die Schlange an Menschen hinter mir war ziemlich angewachsen. Sie stieß bedrohliche Laute aus, die sich anhörten als würde man einem Tiger das frisch erlegte Gnu rauben. Egal, ich gehe hier nicht ohne Geld weg. Dabei nahm ich den Automaten mit beiden Händen fest in den Griff. Dann schüttelte ich ihn wie einen Flipper. Sie wissen, dass sind die Spielgeräte die früher in jeder Kneipe standen. Und die man durch gezielte Stöße zur Arbeit anhalten musste. Wie in meiner Jugendzeit gilt, wer gut ist flippert nicht laut- und vor allem nicht emotionslos. „Du kleines Miststück, Geld her und ich schüttel dir das Leben  aus deinen mechanischen Eingeweiden.“ Doch weder Flipper noch Geldautomat lassen sich von so etwas nachhaltig beeindrucken. Das Ergebnis meiner Bemühungen, kein Bargeld. Stattdessen stand eine freundliche Bankmitarbeiterin hinter mir. Diskret verstärkt durch einen Wachbeamten mit Maschinenpistole. „Sir, can I help you“?“

    Es stellte sich heraus, dass meine Kreditkarte gesperrt wurde wegen unklarer Transaktionen. Bloß wegen dem bißchen schütteln? Die Technik hält auch gar nichts mehr aus. Falls Sie mich suchen, ich setze am Strand mit einem Schild…..

  • Zusammenhalt stärken – 3 Monate Bali 7/12

    Zusammenhalt stärken – 3 Monate Bali 7/12

    In regelmäßigen Abständen finden im Workspace Veranstaltungen statt. Zu Themen, die im großen und ganzen mit dem Leben der Digitalen Nomaden von Bedeutung sind. Es sind Vorträge mit anschließenden Diskussionen. Mal geht es um Technik, dann wieder um Psychologie und oft um Marketing. Dennoch liegt der Vorteil dieser Veranstaltungen aus meiner Sicht nicht in der Vermittlung von Wissen, sondern im Verbinden und Herstellen eines Gemeinschaftsgefühls. Im Kern nichts anderes als eine andere Form der Teambildung. Nur zielt sie hier weniger darauf ab ein Team zu stärken, sondern die Isolation aufzuheben. Man kennt sich und kann den Einen oder die Andere um Rat, Hilfe und Unterstützung fragen. Das ist gut gemacht, finde ich.

    Leider gibt es Essen und Trinken nicht umsonst :-). Doch ist das bei den Preisen hier auf Bali alles andere als schlimm.

  • Das Alter – 3 Monate Bali 6/12

    Das Alter – 3 Monate Bali 6/12

    An einen gut besuchten Tag bietet das Workspace im Hauptraum an die 40 offenen Arbeitsplätze. Hinzu kommen die geschlossenen Meetingräume, und die Plätze im offenen Bereich, sprich im Garten. Wenn alle Plätze belegt sind, mögen es zwischen 50 und 60 sein, wohlgemerkt Stühle und andere Sitzgelegenheiten. Ansonsten ist die Kapazität unbegrenzt, wenn man bereit ist, sich auf den Rasen zu setzen.

    An anderer Stelle habe ich es schon beschrieben, das Durchschnittsalter der DN (Digitalen Nomaden): Es ist niedrig. Und das hat seine Gründe. In den gesamten Tagen, die ich hier verbrachte habe, hat es nicht einen gegeben, der die magische Grenze von 40 Jahren auch nur annähernd berührte. Vielmehr waren die allermeisten zwischen 20-30 (geschätzt), was sich im Gespräch bestätigte. Also, die Frage lautet, weshalb ist diese Form der Arbeit nichts für, ja was, Mittelalte? Zuallererst scheint mir von Bedeutung, dass es im Kern ein isoliertes Leben ist. Die physischen Kontakte, wenn man an einem Ort keine Wurzeln schlägt, sind vorübergehend. Natürlich, es gibt Skype, Twitter oder Facebook mit denen der Kontakt zu anderen weiter aufrecht erhalten werden kann. Doch das Persönliche fehlt, da die meisten hier nur vorübergehend sind. Hat man jemanden kennen gelernt, zieht derjenige vielleicht schon morgen weiter. Man muss also die relative Isolation mögen, sonst wird es schwierig.

    Was passiert in vielen Leben zwischen Ende dreißig und Mitte vierzig? Meist taucht in irgendeiner Form der Wunsch nach Familienbildung auf und vielleicht auch ein Kinderwunsch. Umherziehen mit kleinen Kindern ist natürlich möglich, aber meist nur bis zur Schulzeit. Daher bleibt für diese Form der Arbeit eigentlich nur die Zeit vorher. Es ist nicht auszuschließen, dass einige der hier Arbeitenden Kinder haben, ehrlich gesagt halte ich das aber für wenig wahrscheinlich. Bei meinen Streifzügen durch Canggu habe ich in den vergangenen Wochen drei junge Paare mit Kleinkindern gesehen. Das beweist wenig, spricht aber dennoch eine deutliche Sprache.

    Eine Frage geht mir hierbei immer wieder durch den Kopf. Weshalb nehmen nicht mehr Menschen in meinem Alter dieses Angebot -arbeite doch wo du willst- an? Die Kinder sind aus dem Haus, die Karriere gefestigt. Es würde gehen. Dass das nicht geschieht, hat auch seine Gründe. Dazu an anderer Stelle mehr.

  • Wer arbeitet hier? – 3 Monate Bali 5/12

    Wer arbeitet hier? – 3 Monate Bali 5/12

    Es ist schwer zu sagen was im Einzelnen die Menschen hier im Coworking Space beruflich treiben. Laut Auskunft der Managerin kommen sie aus allen Berufen. Vorherrschend sind jedoch die Bereiche Marketing, Programmierung, Blogging. Dann das weite Feld der Beratung. Von der Finanzberatung über die IT-Beratung bis zum Coaching scheint alles vertreten. Dann gibt es noch diejenigen, die einen Online-Shop betreiben. Auch sie finden sich hier.

    Im Space selbst herrscht eine konzentrierte Form des Arbeitens. Und den offenen Laptop-Bildschirmen nach zu urteilen, zumindestens denen, die ich nach einem Rundgang sehen konnte, ist auf keinem Facebook, Instagram, Twitter oder ähnliches geöffnet. Alle beschäftigen sich mit dem, was sie vor sich auf dem Bildschirm sehen. Von kurzen Gesprächen mit den Nachbarn abgesehen. Es bedarf offensichtlich doch einiger Anstrengung sein Geschäft aufrecht zu erhalten, bzw. die Kunden zufrieden zu stellen.

    Für mich stellt sich sofort die Frage der Selbstausbeutung. Die Devise der hier Arbeitenden muss ja sein, produziere ich nichts wofür jemand anderes mir Geld gibt, bin ich über kurz oder lang bankrott. Doch vielleicht ist Selbstausbeutung nicht der richtige Begriff, wenn man Dinge tut, die man gern macht und an Orten, an denen man sich wohlfühlt. Ist das das Modell, warum Google und Co. soviel Wert darauf legen ihren Mitarbeitern wahre Wohlfühloasen in den Firmenzentralen zu bieten? Vielleicht.

    Ach ja, bevor ich es vergesse, hier gibt es statt eines Bürohundes eine Bürokatze. Mal was anderes. Vor allem weil Katzen diese Haltung ausstrahlen „Was willst du von mir? Mich streicheln? Mal sehen, vielleicht lasse ich es zu.“ Diese hier ist genauso.