Autor: Rolf Schröder

  • Vorwärts in die Vergangenheit

    Vorwärts in die Vergangenheit

    Nachdem bereits Apple seine Mitarbeiter:innen mit dem Zwang zur Rückkehr ins Büro verärgert hatte, rauscht auch Amazon in die gleiche Falle. Warum nur, tun sie das?

    Amazon will das alle nur noch an zwei Tagen pro Woche ins Homeoffice gehen, die übrigen Tage soll im Büro gearbeitet werden. Begründet wird das mit damit, dass Mitarbeiter:innen im persönlichen Kontakt besser voneinander lernen können. Okay, das ist ein Punkt. Wäre es dann aber nicht besser, wenn sie an allen Tagen der Woche im Büro wären?

    Zwei Tage Homeoffice, die wie bei Apple und Amazon vom Unternehmen vorgegeben werden, sind dann, was? Zugeständnis an das, was die Mitarbeiter:innen wollen, an den Zeitgeist, an das Image als fortschrittliches Unternehmen? Was auch immer damit erreicht werden sollte, die Reaktion der Mitarbeiter:innen ist Ablehnung. Im Falle von Apple so eindeutig, dass die Firmenleitung die Regel zurückgenommen hat.

    Es ist doch längst klar, dass eine hybride Arbeitsweise von den Mitarbeiter:innen gewünscht wird. Wechsel zwischen Büro, Zuhause, Workspace, Hotel oder was auch immer. Und zwar angepasst an die Notwendigkeiten der Aufgabenerfüllung und den Bedürfnissen der Mitarbeiter:innen. Ohne starre Schemen, selbstbestimmt und eigenverantwortlich. Was daran ist so schwer zu verstehen und weshalb versuchen Unternehmen das zu verhindern?

    Ich glaube, es erscheint ihnen schlicht einfacher alle Leute in Rufweite zu haben, um jederzeit auf sie zugreifen zu können. Ohne dieses ganzes kompliziertes Zeugs von Onlinemeetings und Videocalls. Nach dem Motto mein Geld, mein Unternehmen, meine Leute. Und wenn sie unbedingt wollen, ihre zwei Urlaubstage, die sie Homeoffice nennen, gebe ich ihnen auch noch. Aber wann, das bestimme ich. Herzlich willkommen in der Vergangenheit Amazon.

    PS. Bei Apple haben etliche MItarbeiter:innen daraufhin gekündigt. Amazon ist das vielleicht egal. Doch die pflegen ohnehin einen eher robusten Umgang mit den Leuten.

  • Die Verschwörung

    Die Verschwörung

    Dunkle Mächte sind am Werk und wollen uns unser mühsam erkämpftes Grundrecht nehmen, das Recht nicht warten zu müssen. Unvorstellbar, uns droht, dass nichts mehr sofort passiert. Wie sollen wir dann noch unsere lebensnotwendigen Change-Prozesse auf die Reihe bekommen?

    Das Angebot war äußerst verlockend, eine Jacke wie ich sie immer haben wollte, zu einem attraktiven Preis. Die Abwicklung des Kaufs im Online-Shop des Anbieters bestens. Eine Bestätigungsmail landete prompt in meinem Postfach. Darin, klein und unauffällig das Lieferdatum: Ende März 2023. Tag der Bestellung: 09.12.2022. Das Unternehmen möchte den Grund meiner Stornierung erfahren. 3/2023? Es ist nur eine Jacke Leute, kein Tornado Kampfjet.

    Als intensiver Nutzer von Online Shops bin ich über die Jahre daran gewöhnt, dass die Wartezeiten kürzer und kürzer wurden. Zur Zeit wird vieles innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Kauf geliefert. Von oben beschriebenen Kampfjets und kommpletten Kücheneinrichtungen abgesehen. Nahezu vier Monate für eine Jacke? Nun ja, das ist dann doch zu lange. Es sei denn, die Jacke ist mir so wichtig, dass ich berteit bin, zu warten.

    In allen Unternehmen, ob Profit oder Non-Profit, gibt es Defizite die beseitigt werden müssen. Strategien werden entworfen, Pläne gemacht und Projekte gestartet. So verschieden sie alle sind, eines haben sie gemeinsam, es brennt und die Änderungen müssen schnellsten, am besten Gestern erfolgen. Sonst? Ja, sonst geschieht etwas unfassbar schlimmes, grausames, existenzbedrohendes.

    Zeitraffer. Etliche Monate später. 10% der Projekte stehen noch, tänzelnd, doch schon ein wenig abgeschlafft an der Startlinie. 50% feiern Bergfest, haben also die Hälfte der Strecke zurückgelegt während 30% im geplanten Zeitraum erfolgreich beendet wurden. Über den Verbleib der restlichen 10% gibt es keine Erkdenntnisse. Möglicherweise wurden sie in ein schwarzes Loch gezogen, um dort der ewigen Verdammnis anheim zu fallen.

    Es könnte sein, dass viele Projekte mit meinem Jackenkauf etwas gemein haben, das lange Lieferdatum. Es ist ja nicht so, dass diese Projekte und es sind einige, nicht sinnvoll und notwendig wären, von Ausnahmen abgesehen. Sie müssen gemacht werden und das schnell. Also werden ambitionierte Zeitpläne erstellt. Enge Zeitpläne. Fertigstellung bis zum XX XX XX. Und dann passiert es, die Verschwöung der dunklen Mächte des Kleingedruckten. Die tatsächlichen Lieferzeiten werden bekannt gegeben. Klein und nahezu unsichtbar. Aber vorhanden.

    Vieles dauert länger. Wesentlich länger sogar. Wir wissen das. Natürlich. Aber wir wollen es nicht sagen. Würden wir die realistischen Lieferzeiten angeben, würde es niemand wollen, machen oder absegnen. Doch das ist nicht wahr. Wir müssten uns nur ehrlich die Frage stellen, ob wir das Projekt wollen wie wir es geplant haben und ob wir es auch zu den realistsischen Bedingungen wollen. Anderenfalls sollten wir es ändern, neu aufsetzen, anders strukturieren und umbauen. Aus meiner Sicht hat der realistische Umgang mit der tatsächlich benötigten Zeit und hier sei nur am Rande erwähnt, mit den tatsächlichen Kosten mehr Vor- als Nachteile.

    Im März nächsten Jahres schaue ich noch mal. Vielleicht gibt es die Jacke dann mit 48 Stunden Lieferzeit.

    Ihnen allen ein Frohes Fest und einen guten Start ins Jahr 2023. Mit alter oder neuer Jacke. :-)) Ihr Rolf Shröder

  • Elon Schinderhannes

    Elon Schinderhannes

    Twitter, genauer die Mitarbeiter:innen, erfahren gerade hautnah, welche Schäden das Streben nach maximalen Profit, gepaart mit schlechtem Management hervorbringen kann. Doch Elon Musk, selbst ernannter Chief Twit, CEO und Besitzer von Twitter, hat auf seinem Kreuzzug ein wichtiges Detail übersehen.

    Johannes Bückler, ein deutscher Krimineller, der seinen Lebensunterhalt mit Diebstählen, Erpressungen, Raub und Mord verdiente, führte den mehr oder weniger schmeichelhaften Titel Schinderhannes. Zu seiner Zeit wies das auf den Beruf des Abdeckers (Tierkörperbeseitiger) hin. Bösartige Zungen behaupten, dass Elon Musk das gerade bei Twitter vollzieht. Das Beseitigen eines Unternehmens. Wobei er die nötigen Voraussetzungen für die Beseitigung, das Töten, schnell und gründlich selbst vollzieht.

    Manche würden jetzt einwenden, je schneller er damit Erfolg hat, desto besser. Dann ist die Meinungsschleuder, voller Hass und Häme wenigstens verschwunden. Doch ich befürchte, dass es unter Musk alles noch schlimmer wird. Mehr Hass, mehr Verachtung, mehr Fake, mehr Verschwörung, mehr Verleugnung und vor allem massiv mehr Profit.

    Da wird mal eben der halben Belegschaft per Mail gekündigt. Management und Board natürlich ebenfalls. Die Verbliebenen haben wieder täglich im Büro zu erscheinen. Homeoffice ade. Wer morgens um acht nicht im Office ist, hat gekündigt. Dann die Erkenntnis, das Wissen bestimmter Mitarbeiter:innen fehlt. Also wird versucht, einige schnellstmöglich zurückzuholen. Diese Haltung degradiert Menschen zur reinen Verfügungsmasse, deren Beitrag ausschließlich darin gesehen wird, Profit zu maximieren. Das ist zutiefst unanständig und verurteilenswert.

    Wir sollten Schinderhannes beim grandiosen Scheitern unterstützen. Die ersten Werbekunden tun dies bereits. Sie haben ihre Werbung auf Twitter storniert und gefährden das Geschäftsmodell der Profitmaximierung. Recht so.

  • Es ist Krieg

    Es ist Krieg

    Egal welch beschönigende Bezeichnung dafür benutzt wird, gleichgültig welch freundlichen Beweggründe herangezogen werden, in der Ukraine herrscht Krieg und Elend, hervorgerufen und verantwortet von Russland. Nichts anderes! Es ist unsere Pflicht das beim Namen zu nennen und alles zu tun, um dieses Unrecht zu beenden.

    Bitte, kann mir das jemand erklären, was dieses unsinnige, Menschen verachtende Vorgehen, dieser Krieg gegen das ukrainische Volk soll? Wir leben doch nicht mehr in der Steinzeit, wo wir mit Knüppel und Stein aufeinander losgegangen sind, um das erlegte Mammut zu verteidigen. Also, was soll das?

    Muss ein riesiges Land wie Russland noch mehr Land sein Eigen nennen, weil es sonst in der Welt nichts gilt? Fühlt es sich womöglich zu klein und unbedeutend, um bei den ganz Großen mitzuspielen? Lagern unter der ukrainischen Erde riesige Vorräte an Gas und Öl, die der Kreml Gazprom zum Geschenk machen will? Oder ist es am Ende alles die krankhafte Kopfgeburt eines einzelnen Menschen, der mit seiner Rolle in der Geschichte noch nicht zufrieden ist?

    Ich weiß es nicht und ich habe auch keine Lust mich in Kaffeesatz Leserei zu üben. Ich weiß nur, dass es Unrecht ist und es für einen Angriffskrieg keinen legitimen Grund gibt. Und was ich noch weiß, Russlands Machthaber und die Menschen, die sie unterstützen, werden nicht gewinnen. Die Geschichte hat das eindrücklich gezeigt.