Autor: Rolf Schröder

  • 2022 können wir es besser

    2022 können wir es besser

    Krisen bringen Leid und Elend für viele Menschen. Das ist keine neue Erkenntnis. Covid zeigt es nur zu deutlich. Auch unsere Arbeitswelt leidet und mit ihr die Mitarbeitenden. Ständige Unsicherheit und nicht vorhersehbare Veränderungen strapazieren die gesamte Organisation. Doch anders als in den Anfängen der Epidemie haben wir uns angepasst und dazu gelernt. Das gilt auch für die Führungskräfte in Politik und Wirtschaft.

    Doch was ist es, was uns diese Krise lehrt? In erster Linie war und ist unsere Fähigkeit gefragt, mit Unsicherheit und Ungewissheit (Ambiguitätstoleranz) umzugehen. 2019 wusste niemand, was auf uns zukommt. Ist Covid eine normale Grippe oder steckt mehr dahinter? Ein paar Monate später war klar, es steckt mehr dahinter, wesentlich mehr sogar. Plötzlich war nichts mehr klar, die bekannten Handlungsmuster, griffen nicht. Keiner konnte sagen was ist, oder gar was wird.

    Keine schöne Sache, sich wie auf einer viel befahrenen Kreuzung zu fühlen, nicht zu wissen, wohin wir gehen sollen und immer die Bedrohung vor uns, überfahren zu werden. In solchen Momenten ist Führung gefragt, um allen Beteiligten Orientierung zu verschaffen. Etwa durch folgendes: „Wir wissen zurzeit auch nicht, wie sich alles entwickeln wird, ob es anders, besser oder gar schlimmer wird. Doch wir werden schnellstmöglich Pläne ausarbeiten und ihr werdet die ersten sein, die wir umfassend informieren.“ Das ändert erstmal nichts, schafft jedoch ein wenig Vertrauen.

    Nun, 2022, im dritten Jahr der Pandemie stehen wir an einem anderen Punkt als 2019. Wir arbeiten anders (Homeoffice), schützen uns sorgfältiger (Impfen, Kontakte) und treiben notwendige Änderungen (Digitalisierung) stärker voran. Es wird auch sichtbar, dass bei aller Bestürzung über die vielen Toten, die noch nicht absehbaren Langzeitfolgen einer Infektion und der enormen wirtschaftlichen Belastung (Schulden, Arbeitslosigkeit) die andere Seite der Pandemie sichtbar wird.

    Notwendige Änderungen wurden beherzter angegangen (Digitalisierung), unendliche Wachstumsträume hinterfragt und die zerstörenden Auswirkungen unserer Lebensweise auf Klima und Umwelt, wie unter einem Brennglas sichtbar. Das ist das Gute, neben dem schlechten. Beides zu sehen, nützt und wird uns bei einer neuen Krise helfen.

    Ihnen allen ein gutes, gesundes 2022.

  • Büro der Zukunft?

    Büro der Zukunft?

    Welche Konsequenzen werden wir aus den Erfahrungen während der Pandemie für die Zukunft unserer Arbeitsplätze ziehen? Auf diese Frage gibt es keine allgemein gültige Antwort. Dennoch, es sind schon jetzt erste Resultate zu besichtigen. Zum Beispiel bei Google.

    Das offene Büro, in dem unzählige Mitarbeiter*innen beieinander sitzen, hat bei Google ausgedient. Stattdessen werden auf den Flächen sogenannte Team Pods entstehen. Durch flexible Wände eigenen sich diese Pods dazu, auf unterschiedliche Anforderungen schnell reagieren zu können. Es wird zudem möglich sein, die Heizungs- und Belüftungssysteme auf die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen einzustellen.

    Damit nicht genug. Meetingräume werden zukünftig mit einer Kreis-Bestuhlung ausgestattet sein. Zwischen den Stühlen sind größere Monitore installiert, die es ermöglichen, auch Menschen im Homeoffice zu Besprechungen zuzuschalten. Damit wird für Abstand gesorgt und Abwesende werden integriert.

    Google geht von etwa 20 % der Belegschaft aus, die dauerhaft im Homeoffice sein wird. Der Rest wird sich je nach Bedarf und Aufgabenstellung mehr oder weniger oft im Büro aufhalten.

    Es scheint als habe die bisherige Firmenkultur „dein Arbeitsplatz ist dein Zuhause“ ausgedient und einer neuen Kultur, „dein Zuhause ist dein Arbeitsplatz“ Platz gemacht. Das ist vor dem Hintergrund, dass hier Bedürfnisse von Mitarbeiter*innen und Unternehmen zusammen kommen, wenig verwunderlich. Homeoffice ist für Viele aus unterschiedlichen Gründen höchst attraktiv. Kein Stau, kein Streß etc. Weniger Mitarbeiter*innen benötigen weniger Bürofläche und dem Unternehmen Kosten. Google konnte bereits 2020 1,4 Millarden $ als Folge von Homeoffice einsparen.

    Auch wenn das keine Blaupause für alle darstellt, so zeichnet sich doch ab, wohin die Reise geht. Alle laufen morgens ins Büro und Abends zurück, hat ausgedient und wird nicht zurückkommen. Stattdessen geht es in großen Schritten in Richtung Individualisierung der Arbeit und stärkerer Berücksichtigung der Lebensumstände jedes Einzelnen.

  • Es passt nicht

    Was tun, wenn zwei nicht mehr zusammen passen? Scheidung ist wohl die häufigste Variante im Privaten. Zuvor vielleicht noch eine Paar- oder Eheberatung und wenn auch das nicht hilft, Anwalt. Okay, vielfach erprobt, wenig erquicklich und doch am Ende die sinnvollste Lösung. Gilt das auch im beruflichen Kontext? Oder gelten dort andere Regeln?

    Stellen Sie sich einmal vor, da sind zwei Beschäftigte die* jede auf ihre Art gut arbeiten. Will heißen, wenig Fehler, gute Leistungen, verlässlich, freundlich und seit Jahren im Unternehmen. Es wäre alles gut, wenn bloß diese ständigen Reibereien zwischen diesen beiden nicht wären. Und nun stellen Sie sich weiter vor, Sie haben den ganzen Marathon von Gesprächen, Vereinbarungen, erneuten Gesprächen, Coaching, Moderation und erneuten Vereinbarungen hinter sich. Was ist das Ergebnis? Immer noch bestehen zwischen beiden diese gegenseitigen Anschuldigen, Vorwürfe und Schuldzuweisungen. Ihnen hängt das Ganze bis weit über den besagten Hals hinaus. Es nervt und zudem stört es die Anderen in der Abteilung.

    Was würden Sie also tun? Eine von beiden versetzen wäre wohl die geeignetste Maßnahme, werden Sie vielleicht denken. Doch welche? Beide sind gut, beide werden gebraucht und eine Versetzung geschehe immer gegen den Willen der Betroffenen. Freiwillig will keine die Abteilung verlassen. „Soll doch die andere gehen.“ Sie können als Entscheiderin natürlich abwarten und Tee trinken. Doch die Gefahr, dass Ihnen die Kiste um die Ohren fliegt, will heißen, dass Ihnen die übrigen Beschäftigten übelnehmen, dass Sie „nichts machen“ ist groß.

    Vielleicht ist es hilfreich, dass Sie sich vorab die Realität der Situation vor Augen führen. Beide Beschäftigte eskalieren einen Konflikt, ohne ihn zu lösen. Sie zwingen Sie in die Rolle der Scheidungsanwältin, genauer der Scheidungsrichterin. Zuvor haben Sie es schon als Moderatorin, Coach und Paartherapeutin versucht. Ohne Erfolg, wie wir gesehen haben. Von Ihnen wird zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich nichts anderes erwartet, als „Recht“ zu sprechen. Natürlich zuungunsten der gegnerischen Seite. Okay, nehmen wir an, Sie kommen dieser Aufforderung nach. Was könnten Sie tun?

    Für beide Beschäftigte hätte die Aufrechterhaltung des Konfliktes einen Preis, der darin besteht, dass keine Seite gewinnt. Stattdessen verlieren beide. Beide werden binnen einem Monat versetzt da sie es nicht schaffen den Konflikt so zu gestalten, dass er keine Auswirkungen auf das Klima der Abteilung hat.

    Ich bin mir sicher, dass Sie viele Einwände, berechtigte selbstverständlich, haben. Wohin mit beiden? Betriebsrat? Keine freien Stellen. Wer macht dann die Arbeit in der Abteilung usw.? Natürlich haben Sie recht damit, dass es nicht einfach ist und eine Lösung in oben beschriebener Form hart ist. Doch ähnelt das „Laufenlassen“ eines solchen Konfliktes und das immer wieder versuchen die Sache mit Reden zu lösen, dem Häuten eines Aales. Dazu wird der Aal, solange in eine Tonne mit Salz geworfen, bis er sich häutet und stirbt. Und das ist weitaus grausamer.

    *Wir verwenden aus Gründen der besseren Lesbarkeit durchgängig die weibliche Form.

  • Rückzug vom Homeoffice

    Laut einer Befragung der Hans Böckler Stiftung arbeiteten vor der Corona Krise 4% (April 2020) der Beschäftigten ausschließlich bzw. überwiegend von zu Hause. Im April des gleichen Jahres waren es dann schon 27%, fiel dann im Juni auf 16% um letztlich auf 14% im November zu fallen.

    Die Rückkehr zur Präsenzarbeit wird sich vermutlich noch verstärken. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat in einer Befragung herausgefunden, dass von 1.200 befragten Unternehmen zwei Drittel nicht mehr Homeoffice anbieten wollen, wie vor der Krise. Das hat zur Folge, dass diese Unternehmen auch keine Reduzierung der Büroflächen planen. Sie wollen stattdessen vorhandene Fläche umbauen, um mehr Kommunikation zwischen den Beschäftigten zu ermöglichen. Flächenabbau betreiben hier vor allem große Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. Dabei liebäugeln die meisten mit einem Mix aus Homeoffice und Präsenzpflicht.

    Es scheint so, als würde die weitaus überwiegende Anzahl der Unternehmen nur auf das Ende der Pandemie warten, um zu alten Formen der Arbeit zurückzukehren. Ein bisschen mehr Gemeinschaftsfläche für mehr Kommunikation und das war es dann. Damit wird eine große Chance vertan, Arbeit neu, anders und humaner zu denken. Tausende müssten nicht mehr jeden Morgen zur gleichen Zeit Busse, Bahnen und Straßen verstopfen, wenn ihnen freigestellt würde, wann und wo sie arbeiten. Um nur einen Vorteil zu nennen.

    Dennoch, wer einmal Honig gegessen hat, wird anschließend wenig geneigt sein, Senf als Hauptmahlzeit zu akzeptieren. Zu stark wird der Sog der Beschäftigten sein, sich die Arbeit und die Orte dafür selbst auszusuchen. Ob Büro, Cafe, Küche oder Parkbank, egal, Hauptsache es verspricht größtmöglich Autonomie, berufliches und privates so zu verbinden, dass beide Seiten zufrieden sind, Unternehmen als auch Beschäftigte. Zeit die Türen weit aufzumachen.

    PS
    Eigene Prognose, daher nicht repräsentativ. 2050 werden Unternehmen 80% weniger Bürofläche beanspruchen als 2020. Stattdessen werden Workmalls, analog den heutigen Shoppingmalls entstehen. Sie beherbergen eine Vielzahl von temporären, remote Arbeitsplätzen, Einkaufmöglichkeiten, Restaurants, Kindergärten und Grünanlagen und sind für alle, von der Einzelkämpfer*in bis zum globalen Unternehmen zugänglich.