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  • Wo ist die Expatriateabteilung? – 3 Monate Bali 3/12

    Wo ist die Expatriateabteilung? – 3 Monate Bali 3/12

    Bei größeren und vor allem den ganz großen Unternehmen gibt es interne Dienstleister für alles. Sie buchen Flüge, kümmern sich um die Unterkunft, besorgen Wohnungen, mieten Autos, kontaktieren Ärzte, regeln Behördenkram und sorgen dafür, dass der Auslandsaufschlag aufs Gehalt pünktlich kommt. Ich will ja nicht meckern, aber wo sind die jetzt?

    Dem Taxifahrer sollte ich schon erklären, wo mein Hotel denn nun genau liegt. Nein, kein Hotel, es ist ein kleines Haus. Ob es dieses hier ist? Nein ist es nicht. Oder doch jenes? Kein Ding, gemeinsam haben wir es hingekriegt.  Da gestaltete sich die Beschaffung von Bargeld schon komplizierter. Es soll an jeder Ecke ATMs geben. In Deutschland besser bekannt unter dem Namen Bargeldautomat. Es gibt genügend hier, sie tarnen sich zwar gelegentlich und sind mitunter so schwer zu erkennen wie Rehe im Wald, aber sei es drum, sie sind da.

    Von außen betrachtet wirken sie unscheinbar. Sie haben allerdings ein Eigenleben, das sich erst offenbart, wenn sie die Kreditkarte im Schlund haben. Einige lassen dann alles mit sich machen, wie bewusstlose Kaninchen. Also sollte ich die Geheimnummer eingeben, Betrag  und jede Menge Fragen nach dem Prozedere bestätigen, um ganz am Schluss den Satz auf dem Bildschirm zu lesen : „Tut uns leid, aber der Prozess kann nicht ausgeführt werden“ Einige andere ATMs geben Pfeifgeräusche von sich, als wären sie kochende Wasserkessel oder strecken gleich alle viere von sich. Leise, dunkel und still wie  ein Hochgebirgssee stehen sie vor mir.  Doch wie immer im Leben, am Ende klappt es doch. Der sechste ATM gab Geld raus. Wenig, aber ich will nicht kleinlich sein.

    Die ATMs nerven, dennoch eines wird klar. Wer als Digital Nomad durch die Welt zieht, sollte sich keinen Illusionen hingeben. Es warten überall Dinge, die nicht oder nur mau funktionieren. Das kostet Zeit, Nerven und am Ende auch Geld. Aber gut, es fällt auch sofort etwas ab. Mir ist eine neue Geschäftsidee gekommen. Ich gründe das Unternehmen DINEF. DIGITAL NOMAD EXPATRIATE FACTORY Slogan: Mach dein Ding, wir machen den Rest. Ich wäre mein erster Kunde.

  • Überleben nicht inklusive – 3 Monate Bali 2/12

    Überleben nicht inklusive – 3 Monate Bali 2/12

    Die Anreise nach Bali gestaltet sich völlig problemlos. Rein in den Flieger, einmal umgestiegen (Singapur) und das war es dann auch schon. Dauert eigentlich auch nicht viel länger, als am Wochenende durch den Elbtunnel zu fahren. Der Unterschied liegt in dem was danach kommt. Nach dem Elbtunnel kommt meistens… nichts. Ein paar Kühe entlang der Autobahn vielleicht. Nach dem Verlassen des Flughafens auf Bali kommt immer… viel. Viele Menschen, viele Autos und vor allem viele, viele, viele Motorroller, hier auch gern liebevoll, harmlos, Scooter genannt. Als Kind habe ich versehentlich mal ein Wespennest aufgescheucht, war so ein ähnliches Gewusel, nur dass die Scooter hier niemanden stechen. Sie überfahren einen einfach, was ich mir am Ende auch nicht unbedingt angenehmer vorstelle. Tut mir leid, ich will hier jetzt keine schlechte Stimmung verbreiten, aber wer mit seinem Leben Schluss machen will, sollte nicht an Brücken denken oder nachts auf Schiffen über die Reling hoppen, ein beherzter Schritt auf eine der balinesischen Hauptstraßen reicht völlig aus.

    Ankunft Flughafen Bali. Um dem Wahnsinn zu entgehen, habe ich mich durch einen gewagten Sprung in eine offene Taxitür gerettet. Was ich dann hörte, klang so verlockend, so sanft wie eine sonntägliche Predigt im Frühstücksradio. „Sir, where do you want to go?“ Ja, was weiß denn ich. Mir völlig egal. Irgendwohin. Hauptsache weg hier. All das sagte ich natürlich nicht, stattdessen zeigte ich sprachlos und so souverän wie es jemandem möglich ist, dessen Leben gerade auf der Kippe stand, auf meinem Handy die Adresse, zu der ich wollte. „Sir, please don`t walk. It is very dangerous.“ Aha, ist mir gar nicht aufgefallen. Ich dachte vielmehr, dass Scooter das probate Mittel gegen zu viele Fußgänger sind. Und sie scheinen außerordentlich erfolgreich damit zu sein. Denn außer mir war weit und breit kein Anderer auf die wahnwitzige Idee verfallen, zu Fuß zu gehen. Aber auch das behielt ich für mich.

    Meine erste Lektion auf dem Weg zur Arbeit. Gehe nie, aber auch niemals zu Fuß. Denke gar nicht erst, weshalb denn nicht, es gibt doch Bürgersteige. Was du für Bürgersteige hältst, sind allerhöchstens Parkflächen für Scooter und Autos oder Hundeschlafpätze. Wer sich da aufhält, will entweder seinem Leben ein schnelles Ende bereiten oder aber von lustigen Vierbeinern für Lebendfutter gehalten werden. Doch das ist wieder ein anderes Thema.

  • Arbeite doch wo du willst – 3 Monate Bali 1/12

    Arbeite doch wo du willst – 3 Monate Bali 1/12

    Jeden Morgen in dasselbe Gebäude, an denselben Schreibtisch und das meist auch noch zur immer gleichen Zeit, muss so der Arbeitsalltag aussehen? Vielleicht, aber es geht möglicherweise auch anders. Und wie dieses Andere aussieht, will ich die nächsten drei Monate ausprobieren. Dazu habe ich mich aufgemacht nach Bali. Diese Insel ist bekannt dafür Menschen anzuziehen, die im Prinzip überall auf der Welt arbeiten können.  Dank eines Jobs, der sich dafür eignet, und der digitalen Technik, die das ermöglicht.  Okay, dann mal los. Auf ins Getümmel der neuen Arbeitswelt.

  • Keine Angst vor freien Radikalen

    Keine Angst vor freien Radikalen

    Umbrüche entstehen durch neugierige, mutige Menschen mit einer hohen Respektlosigkeit gegenüber unmöglichen Dingen. Jetzt ist eine gute Zeit sie an Bord zu holen.

    Sehen Sie ihn auch? Diesen kleinen, blauen Kobold der durch die Flure Ihrer Klinik rennt. Mit wirren Haaren, irrem Blick und dröhnender Stimme raunt er die immer gleichen Worte: “Geht nicht, will ich nicht, kann ich nicht, kein Geld, kriegen wir nie durch, habe andere Sorgen, das ist mir zuviel, nicht genug Personal, arrogante Ärzte, renitentes Pflegepersonal, stumpfe Verwaltung, inkompetenter Aufsichtsrat. Wird Zeit ein wenig Optimismus reinzubringen, oder?

    Okay, fangen wir also an. Erste Lektion. Lassen Sie den Kobold einfach laufen. Denn obwohl er sein Unwesen treibt funktioniert Ihr Unternehmen. Mal etwas besser, mal etwas schlechter. Und auch die Stimmung in der Belegschaft folgt wie die Ertragslage einem wiederkehrendem Auf und Ab. Auch wenn sich die Lage, wie derzeit bei den Personalengpässen zuspitzt, so ist ist sie doch nie von Dauer. Das zu organisieren ist Tagesgeschäft und wenn Sie so wollen unser aller täglich Brot.

    Zweite Lektion. Kümmern Sie sich um die Zukunft. Denn was heute gut funktioniert birgt nicht die Garantie auch morgen noch gut zu sein. Sehr viel wahrscheinlicher ist, das morgen ganz andere Spielregeln gelten als heute. Schon jetzt ist klar, wir leben in einer Zeit die unsicher, unbeständig, komplex und mehrdeutig ist. Und angetrieben wird diese Welt durch Digitalisierung. In ihrem Maschinenraum stehen keine Verbrennungsmotoren, sondern Computer. Ihr Treibstoff ist künstliche Intelligenz, nicht Öl. Um diese Welt zu erschließen  brauchen wir Menschen die bereit sind absolutes Neuland zu betreten. Die es nicht nur gewohnt sind in unsicheren, unbeständigen, komplexen und mehrdeutigen Arbeitswelten zu bestehen, sondern diese geradezu suchen. Wir brauchen mutige,neugierige, hungrige, junge Entdecker*innen.

    Dritte Lektion. Schaffen Sie Räume. Versuchen Sie gar nicht erst ihren großen Tanker Unternehmen komplett umzukrempeln, Sie werden grandios scheitern. Sinnvoller ist es kleine Satelliten zu etablieren die fernab jeder Klinikroutine, sich und ihre Ideen ausprobieren können. Mit einem Budget zum Experimentieren und der Freiheit Wege zu gehen die kurzfristig mehr Geld kosten als sie einbringen. Die Regel könnte lauten: fail fast – fail cheap was so viel heißt wie scheitere schnell und scheitere billig. Denn nicht jede Idee ist es wert weiterverfolgt zu werden und durch eine solche Regel ist das finanzielle Risiko übersichtlich.

    Was halten Sie von einem Satelliten, einer Station/Bereich in dem die Hälfte der Mitarbeiter aus dem Haus kommt und die andere junge, digital Erfahrene von Außen sind? In der Chefärzte Teammitglieder sind und nicht mehr Rechte haben als andere. Wo die Pflegekräfte deutlich höher bezahlt werden als jetzt. Prozesse vollständig digitalisiert, Patienten verlässliche Ansprechpartner und alle Mitarbeiter faire und planbare Arbeitszeiten haben um nur einige wenige Punkte zu nennen. Sehr gut denkbar, dass sich für ein solches Modell genügend Mitarbeiter*innen finden die mitmachen wollen. Was meinen Sie?