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  • Alles anders? – 3 Monate Bali 11/12

    Alles anders? – 3 Monate Bali 11/12

    Die Antwort auf diese Frage scheint ziemlich einfach, ja es ist völlig anders und doch nicht so wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Alles was die Umgebung angeht ist anders, doch die Routinen sind es nicht.

    Nichts hier ist wie bei mir Zuhause, vielleicht außer der sommerlichen Wärme in Deutschland. In Bremen wachsen keine Palmen vor Haustür. Hinter unserem Haus befindet sich (zum Leidwesen meiner Frau) kein Pool. Es gibt wenige Balinesische Restaurants und frische Kokosnüsse für den kleinen Durst zwischendurch werden auch nicht angeboten. Scooter in großer Zahl fehlen fast völlig, auf Bali sind sie die Regel. Während ich mir in Deutschland gut überlege (Wetter, Temperatur, Entfernung) ob ich zum Schwimmen ans Meer fahre, ist Strand und blaues, klares Wasser hier nur einen Katzensprung entfernt. Soweit, so verständlich. Bali ist ein Ort an den die meisten Menschen fahren um Urlaub zu machen.

    Da es sich bei meinem Aufenthalt nicht um einen klassischen Urlaub handelt ensteht fast von selbst etwas anderes, eine berufliche Routine. Ich gehe regelmäßig ins Workspace um zu arbeiten. Treffe dort mittlerweile auf einen Kern von Menschen die zur gleichen Zeit wie ich hier sind. Es ensteht eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl. Wie Zuhause arbeite ich hier meine eMail ab, plane und stimme Termine mit Kunden ab.  Persönliche Gespräche führe ich per Skype für die es hier eine Art Skype Kabine gibt. Damit die Gespräche vertraulich geführt werden können. Mein Arbeitsalltag hier ist zwar nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen, hat aber Ähnlichkeit. Es fehlt der Kern meiner Arbeit, das persönliche Gespräch das in der Beratung unerlässlich ist. Und Skype ersetzt das in keinem Falle.

    Hätte ich einen Beruf der nicht zwingend darauf angewiesen wäre, ginge das, so aber ist es nur für eine begrenzte Zeit sinnvoll. Doch für andere Berufe, IT, Marketing oder Journalismus ist diese Form der Arbeit sehr gut vorstellbar. Was ich auch von den anderen hier bestätigt bekommen habe.  Sie kommen alle aus diesen Feldern.

    PS
    Heute habe ich den ersten Mann in meinen Alter hier gesehen. Es geht voran. 🙂

  • Sicherheit -3 Monate Bali 10/12

    Sicherheit -3 Monate Bali 10/12

    Unter den Digitalen Nomaden hat es Umfragen gegeben, warum sie sich für einen bestimmten Ort in der Welt entscheiden. Neben schnellem Internet und guter Infrastruktur (Workspaces etc.) ist ein wesentlicher Aspekt die Sicherheit. Die gefühlte wie die reale.

    Vermutlich bin ich einfach nur eine ängstliche Person. In wuseligen Bahnhöfen, wo tausende Menschen sich drängen, sehe ich mich ständig als bevorzugtes Opfer. Der Bauer aus der Norddeutschen Provinz als Weihnachtsgans auf die sich alle Kriminelle zugleich stürzen. Ich weiß, darin liegt eine ordentliche Portion Größenwahn, schließlich gebe es ja auch noch andere die ausgenommen werden könnten. Doch sie meinen mich. Nur mich.  Davon bin ich felsenfest überzeugt.

    Zum Beispiel Rom. Den dortigen Hauptbahnhof würde ich nur nackt betreten. Wo nichts ist, kann auch nichts geklaut werden. Nicht das Italien oder Rom eine unsichere Gegend wären, doch was man so hört…  Ganz anders hier in Canggu. Bisher hatte ich noch keine Situation in der ich mich unsicher oder ängstlich fühlte. Nie hatte ich das Gefühl es würde mich jemand bestehlen und mir mit schlanken Fingern das Portemonnaie aus der Hosentasche ziehen. Selbst im dunkeln am Strand kommt bei mir kein Gefühl von Sorge auf. Das macht den Aufenthalt sehr, sehr angenehm.

    Wunderbar, sagte der Fuchs zur Gans, leg dich nur schlafen, dir kann nichts passieren. Schlauen Menschen hier ist es gelungen an meine Kreditkartendaten zu gelangen. Ich beschrieb schon anderer Stelle meine Probleme mit den hiesigen Geldautomaten. Bei einem dieser vergeblichen Versuche an Bargeld zu kommen, konnte, wer auch immer, die Daten auslesen. Nur der guten Überwachungstechnik des Kreditkartenunternehmens habe ich es zu verdanken, dass die Versuche, Geld von meinem Konto zu erbeuten, abgeblockt wurden.

    Liebe Füchse, die Weihnachtsgans wurde noch nicht ausgenommen!

  • Nachhaltigkeit – 3 Monate Bali 9/12

    Nachhaltigkeit – 3 Monate Bali 9/12

    Es ist nicht so, dass das Thema Nachhaltigkeit unter den Digitalen Nomaden hier keine Bedeutung hat.  Es wird wird darüber gesprochen. Durchaus auch kritisch. Ist es noch richtig im Flugzeug um die Welt zu fliegen, wo es doch eigentlich nicht nötig wäre. Da die Arbeit ebenso gut vom heimischen Garten oder Balkon aus,  erfolgen könnte. Doch wer will das schon? Gerade die Ferne ist es, das Reisen, die fremdem Kulturen, die neuen Eindrücke die diese Art der Arbeit so verlockend machen. Wie immer ist das Leben nicht frei von Stolperdrähten.  Auch im wunderbaren Bali nicht.

    Bei genauer Betrachtung unterscheide ich mich hier nur geringfügig von normalen Urlaubern. Ich fliege mit einem Langzeit Touristenvisum hierher. Habe ein kleines Haus mit einem Roller davor. Gehe in Restaurants und verzichte aufs selber kochen, weil die Balinesische Küche unvergleichlich ist. Nutze den Pool hinter dem Haus, sitze am Strand und lasse manchen Abend in einer Bar ausklingen. Der zentrale Unterschied zu „Nur-Urlaubern“ besteht einzig und allein darin, dass ich ein Büro nutze und dort regelmäßig arbeite. Andere gehen nur surfen, ich gehe ins Büro (und versuche vielleicht auch einmal auf so einem Brett zu stehen).

    Vor diesem Hintergrund muss ich mir den Schuh anziehen, dass ich, obwohl meine Intention eine andere ist, doch nur ein Fernreisetourist bin. Mit allem was das an negativen Auswirkungen für Klima, Umwelt und Ressourcen mit sich bringt. Dennoch fühle ich mich anders. Es macht Spaß hier in diesem Workspace zu sein. Mit anderen, die das gleiche machen, gemeinsam diese Form zu nutzen. Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Das Leben ist halt widersprüchlich.

  • Das liebe Geld – 3 Monate Bali 8/12

    Das liebe Geld – 3 Monate Bali 8/12

    Habe gerade auf Spiegel Online gelesen, dass Bali ein zunehmendes Problem mit bettelnden Touristen hat. Sie reisen hierher, setzen sich an die Straße oder den Strand, breiten ein kleines Schild vor sich aus, auf dem so oder ähnlich steht: „Bin auf Reisen, brauche Geld.“ Bemerkenswert. Und wie der Zufall es so will, werde ich in einigen Tagen, wenn mein Bargeld zur Neige geht, mich dazu setzen.

    Bisher habe ich mich aus den Geldautomaten mit Bargeld versorgt. Das war nicht immer einfach, ich berichtete an anderer Stelle darüber, aber es ging. Vorgestern wollte ich nun meinen Bestand auffüllen. Gesagt getan, reihte ich mich in die Schlange vor dem Automaten ein. Immer mit der Befürchtung, wenn ich dran bin ist der Kasten leer. Mal sehen. Karte in den Schlitz, dann durch die selbsterklärende Beschreibung und warten, dass sich das Fach mit dem Bargeld öffnet. „Wir können den Prozess leider nicht beenden. Bitte versuchen sie es erneut.“ Hahaa, eine neue Variante balinesischen Humors, dachte ich noch voller Zuversicht. Geld gibt es erst nach dem dritten Versuch.

    Mein vierter Versuch. Die Schlange an Menschen hinter mir war ziemlich angewachsen. Sie stieß bedrohliche Laute aus, die sich anhörten als würde man einem Tiger das frisch erlegte Gnu rauben. Egal, ich gehe hier nicht ohne Geld weg. Dabei nahm ich den Automaten mit beiden Händen fest in den Griff. Dann schüttelte ich ihn wie einen Flipper. Sie wissen, dass sind die Spielgeräte die früher in jeder Kneipe standen. Und die man durch gezielte Stöße zur Arbeit anhalten musste. Wie in meiner Jugendzeit gilt, wer gut ist flippert nicht laut- und vor allem nicht emotionslos. „Du kleines Miststück, Geld her und ich schüttel dir das Leben  aus deinen mechanischen Eingeweiden.“ Doch weder Flipper noch Geldautomat lassen sich von so etwas nachhaltig beeindrucken. Das Ergebnis meiner Bemühungen, kein Bargeld. Stattdessen stand eine freundliche Bankmitarbeiterin hinter mir. Diskret verstärkt durch einen Wachbeamten mit Maschinenpistole. „Sir, can I help you“?“

    Es stellte sich heraus, dass meine Kreditkarte gesperrt wurde wegen unklarer Transaktionen. Bloß wegen dem bißchen schütteln? Die Technik hält auch gar nichts mehr aus. Falls Sie mich suchen, ich setze am Strand mit einem Schild…..