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  • My workbus

    Bisher ist, wenn von remote work die Rede ist, das Arbeiten an unterschiedlichen Orten, aber in Gebäuden gemeint. Nun gibt es eine zunehmende Zahl von Menschen, die es anders machen. Sie arbeiten im Wohnmobil. Und nicht nur das, einige leben auch darin und haben keine feste Wohnung mehr. Sie verbinden Arbeit, Leben und Mobilität zu einer einzigartigen Gesamtkomposition.

    Dass sich mittlerweile nicht nur digital worker, also solche, die nur den Laptop zum Geld verdienen benötigen, in dieser Gruppe finden, ist noch nicht so bekannt. Es findet sich eine ganze Bandbreite von Berufen. Tischler, Schlosser und Elektroniker, Karosseriebauer, die sich auf den Auf- und Ausbau von Wohnmobilen spezialisiert haben und sich für ihre Aufträge in Werkstätten einmieten, sind ebenso darunter wie Landschaftsarchitekten.

    Obwohl sie meist Einzelunternehmerinnen sind, sind sie alles andere als vereinzelt. Fast immer sind sie Teil eines großen und bestens funktionierenden Netzwerkes. Dadurch wird es ihnen möglich auch umfangreiche Projekte zu stemmen, die weit über die Möglichkeiten von Einzelnen hinausgehen würden. Da sie sich in der Regel nicht nur an einem Ort aufhalten, sondern europaweit touren, spannt sich ihr Netzwerk ebenfalls über mehrere Regionen und Länder.

    Die „homeless worker“, wobei dieser englische Begriff missverständlich ist, denn häufig werden damit Menschen bezeichnet, die, obwohl sie einen Arbeitsplatz haben, sich keine Wohnung leisten können, schlicht obdachlos sind und in ihren Fahrzeuge leben müssen. Die „Bus Arbeiterinnen“ leben im Gegensatz dazu freiwillig in ihren Bussen und verzichten ebenso freiwillig auf eine feste Wohnung. Ihnen ist wichtig jederzeit dorthin fahren zu können, wohin es sie zieht. So lange zu bleiben wie sie Lust haben, um dann weiter zu ziehen.

    Das ist sicherlich nicht für Jeden was. Meist sind Bus Arbeiterinnen jung, haben keine Kinder und kommen mit wenig Geld aus. Aber dennoch, auch wenn es eine Nische ist, es ist doch eine Möglichkeit, Leben und Arbeiten zu verbinden. Wir werden auch in Zukunft immer mehr solcher Nischen sehen, die Menschen sich schaffen, um ihr Leben ganz nach ihren Bedürfnissen zu gestalten. Die Variante, one fits all, wir gehen alle ins Büro, arbeiten von 9 bis 5, ist ja ohnehin seit längerem ein Auslaufmodell. Also rein in den Bulli und raus auf die Landstraße. Etwas besseres als den Gewohnheitstod findest du überall.

  • Recht auf Homeoffice.

    Vor kurzem war Homeoffice der Fasan der Arbeitswelt. Eher selten anzutreffen, dafür aber bunt und niedlich. Dann kam Covid und aus dem Fasan wurde eine schnöde weiße Henne, die zu Hunderttausenden die Wohnungen der Republik bevölkert. Jetzt soll ihr ein Denkmal gesetzt werden. Unser Arbeitsminister möchte Homeoffice zu einem einklagbaren Recht für alle machen.

    Was hat er sich bloß dabei gedacht? Naheliegend wäre, unser Arbeitsminister möchte sich schlicht und einfach beliebt machen. Okay, das ist menschlich und geht in Ordnung. Weniger in Ordnung ist die damit verbundene Unkenntnis der digitalen Welt.

    Home office vs remote work

    Homeoffice ist nur eine Möglichkeit unter vielen. Von einem Büro (in der Firma) in ein anderes Büro (Zuhause) zu wechseln, kann sinnvoll sein, muss es aber nicht. Mitunter ist ein Workspace, ein Cafe, die Gartenlaube oder der Strand auf Bali die bessere Alternative. Entscheidend ist nicht wo wir arbeiten, sondern welche Umgebung die beste ist, um die Arbeit zu erledigen. Wer also Homeoffice sagt, sollte das noch einmal überlegen und gleich das ortsunabhängige Arbeiten (remote work) fordern. Alles andere ist zu kurz gesprungen.

    Es darf bezweifelt werden, dass unser Arbeitsminister das in diesem Sinne so meint und im Gesetz die Aussage sehen möchte: „Jede*r hat das Recht zu arbeiten, wo es ihr oder ihm gefällt.“ Mit Verlaub, für so fortschrittlich werden ihn nur die wenigsten von uns halten.

    Recht einklagen

    Können wir zukünftig vor Gericht ziehen und Homeoffice einklagen? Wenn es ein Recht ist schon, in der Praxis wahrscheinlich eher nicht. In dem Gesetz werden sich vermutlich Formulierungen finden, die darauf hinweisen, dass nur dort, wo es möglich ist und keine betrieblichen Hinderungsgründe dem entgegenstehen, ein Recht auf Homeoffice besteht. Und wer bestimmt das? Chefs? Genug Umwucht also im Alltag (einige machen es, andere nicht) und ausreichend Gelegenheit für Zank und Streit.

    Die Idee, remote work einen größeren Raum als derzeit zu verschaffen, ist richtig und notwendig. Die dazu notwendigen Voraussetzungen (Infrastruktur, schnelles Internet etc.) müssen jedoch erst geschaffen bzw. verbessert werden. Hier ist Politik gefordert und sollte tätig werden. Die Ausgestaltung des wie, wann und wo sollte den Mitarbeiter*innen und Unternehmen überlassen bleiben. Sie wissen am besten, was möglich, sinnvoll und notwendig ist. Ein Gesetz braucht es dafür nicht. Es könnte sich nämlich schnell als kostspieliges und hemmendes Unterfangen herausstellen, das Arbeitsgerichte beschäftigt und Anwälte reich machen wird.

  • Gute Führung in schlechten Zeiten

    Stellt die Coronakrise gänzlich andere, völlig neue Anforderungen an Führungskräfte? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Zunächst einmal ist die Krise in ihrer Dimension riesig, aber nicht einzigartig. Es gibt und gab in den letzten einhundert Jahren genügend Krisen, die Menschen in Not und Elend gestürzt haben: Ebola, Schweinepest, Rinderwahnsinn und Malariaepidemien, um nur einige erregerinduzierte Krisen zu nennen. Das Platzen der Dot-com-Blase 2008 und der Börsencrash 1929 sind zwei Beispiele wirtschaftlicher Desaster. Doch keine dieser Krisen verbindet eine hohe Sterblichkeit mit einem so hohen wirtschaftlichen Schaden wie die Corona Pandemie. Sie wütet auf der ganzen Welt, tötet Menschen und verbrennt Geld.

    Insofern hat sie was Einzigartiges. Wenn man jedoch genauer hinsieht, zeigt sich ein anderes Bild. Krankenhäuser z.B. arbeiten unter erschwerten Bedingungen, aber sie machen nicht grundsätzlich etwas anderes als das, was sie sonst auch tun. Sie behandeln Menschen, die mehr oder weniger schwer erkrankt sind. Das können und beherrschen sie. Zumindest wenn die Fallzahlen nicht die Kapazitäten sprengen. Und das tun sie zur Zeit nicht.

    Daher müssen Führungskräfte in Kliniken keine besonderen Fähigkeiten hinzugewinnen. Keine, über die sie nicht ohnehin schon verfügen. Mitarbeiter motivieren, Vertrauen vermitteln, nach Lösungen suchen, Engpässe managen, offen und ehrlich kommunizieren, Entscheidungen vorbereiten und treffen, sind Fähigkeiten, die jetzt gefordert sind, aber keine Führungskraft vor gänzlich neue Herausforderungen stellt.

    Auch das Handling von Unsicherheit ist nichts, was nicht beherrscht wird. Mit einem Unterschied, niemand kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen was passieren wird. Werden wir überschwemmt mit todkranken Patienten? Werden Mitarbeiter in großem Ausmaß infiziert? Kommt es zu langanhaltenden Schaukelbewegungen zwischen infiziert, geheilt, neu infiziert? Dauert die Pandemie länger, vielleicht ein, zwei Jahre? Ist kein Geld mehr da? Diese Unwägbarkeiten sind neu und konnten von Führungskräften nicht geprobt oder geübt werden. Weder in der Realität noch in Workshops.

    Hier ist Führung gefragt und muss Neues lernen. Nicht den Umgang mit Unwägbarkeiten, den beherrschen alle, sondern mit dem Managen von Unwägbarkeiten über vielleicht lange Zeiträume, deren Auswirkungen nicht vorhersehbar sind. Vor diesem Hintergrund scheint es ratsam, dass Führung sich mit dem Thema „alles ist möglich“ auseinandersetzt. Was wollen wir machen, wenn…. Wie wollen wir reagieren, falls….. Darauf gibt es keine abschließenden Antworten, außer dieser: Wir werden sehen…. und tun, was dann möglich ist, getan werden kann oder muss.

    Was also ist das Neue, das auf Führungskräfte zukommt? Planen in Szenarien für alle aus heutiger Sicht denkbaren Situationen mit unklarer Dauer und Umfang. Das ist neu. Diese Szenarien müssen bei Bedarf abgerufen, modifiziert oder schlicht festgestellt werden, dass es zum gegebenen Zeitpunkt kein geplantes Vorgehen gibt, das abgearbeitet werden kann. Um dann eines aus dem Boden zu stampfen und anzunehmen, dass das, was wir dafür wissen müssen, vorhanden ist. Die Schlüsselqualifikation dafür heißt Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit.

    PS
    Aus unserer Sicht gilt das für viele (fast alle) Branchen und nicht nur für Kliniken.

  • Zuerst ich, der Rest ist mir egal.

    Das Geld ist knapp, jetzt wo fast alles wegen des Lockdowns still steht. Kleine wie große Unternehmen trifft es. Einige hart, andere existenzgefährdend. Manche haben Rücklagen, können sich einige Wochen, vielleicht gar Monate über Wasser halten. Für andere undenkbar. Freiberufler, Selbstständige oder Cafebetreiber*innen, um nur einige zu nennen, kämpfen um ihre Existenz. Um ihnen zu helfen, haben Bund und Länder Auffanglösungen erdacht. Zuschüsse, Kredite oder andere Hilfen sollen denen zugute kommen, die es am nötigsten haben.

    Doch wie es scheint, haben das einige nicht verstanden. Aus meinem beruflichen Umfeld erfahre ich, dass bisher sehr gut verdienende Berater*innen schnell mal einen Antrag ausfüllen, um an diese oder jene Unterstützung zu gelangen. Mit Erfolg. Weil sie wissen wie es geht und weil sie Ahnung haben, wo und wann es diese Gelder gibt, sind sie im Vorteil. Und nutzen ihn. Das kann man machen, ist aus meiner Sicht aber nichts weiter als eine große Sauerei. Denn die, über die ich hier schreibe, benötigen das Geld nicht. Sie nehmen es, weil es vorhanden ist.

    Dabei spielt es für mich auch keine Rolle, ob sie es vielleicht irgendwann, weil sie es unrechtmäßig bezogen haben, zurückzahlen müssen. Ich erwarte, dass sie einen solidarischen Beitrag leisten und es gar nicht erst nehmen, damit andere, denen das Wasser bis zum Hals steht, weiter machen können.

    Es handelt sich hier nur, aber immerhin, um einige Tausend Euro im fünfstelligen Bereich. Es bedarf keiner großen Fantasie sich auszumalen, dass es viele andere noch wilder, will heißen, in noch größerem Ausmaß treiben. Missbräuchliche Nutzung von Hilfen, wohlgemerkt nicht im rechtlichen, sondern im solidarischen Sinne, wird es auch in anderen Branchen geben. Es gibt überall diese Art von parasitären Nutznießern. Keine Frage, die überwiegende Zahl der Anträge ist vermutlich berechtigt, doch dadurch werden die wenigen unberechtigten nicht salonfähig oder gar tolerabel.

    Wo es geht, sollten wir dieses „zuerst ich, der Rest ist mir egal“ verurteilen und Stellung beziehen. Wenn wir davon erfahren, müssen Sätze wie diese fallen: „Das ist nicht in Ordnung, was du da machst – lass es sein!“

    Viel Glück. Sie werden es brauchen. Denn Menschen wie Sie, die dieses Verhalten verurteilen, werden nicht gemocht. Doch das kleine Cafe, in dem Sie Ihren geliebten Cappucino trinken, wird es Ihnen danken. Weil es mit den finanziellen Hilfen und durch Menschen wie Sie, die Corona-Krise überstanden hat.