Kategorie: digital nomad

Dreimonatiger Selbstversuch als digital nomad.

  • Arbeiten, aber wo? – 3 Monate Bali 4/12

    Arbeiten, aber wo? – 3 Monate Bali 4/12

    Jedes, gut, fast jedes Hotel, Restaurant, Bar oder Guesthouse hat Internet. Meist mit guter, heißt schneller Verbindung. Daher ist es im Prinzip möglich mit der Arbeit überall zu starten. Voraussetzung ist natürlich, dass sich diese Arbeit per Laptop, Handy und Skype erledigen lässt. Das engt den Kreis derjenigen, die das machen können natürlich erheblich ein. Niemand wird versuchen übers Internet Brötchen zu backen oder medizinische Eingriffe durchzuführen. Doch halt, die Herstellung und der Vertrieb von Brötchen lässt sich über Dienstleister vor Ort natürlich auch von Bali aus organisieren. Ebenfalls macht es Telemedizin möglich, von jedem Ort der Erde aus bei Operationen zu assistieren bzw. zu konsultieren. Das aber ist ein anderes Thema und ein weites Feld.

    Doch bevor es losgehen kann, stellt sich die Frage, wo? Das Cafe eignet sich in der Regel nur für ein paar wenige Dinge. Email, WhatsApp etc. Für Arbeiten, die mehr Aufmerksamkeit fordern, ist die Atmosphäre zu unruhig, die Geräuschkulisse zu hoch. Als nächstes dann das Homeoffice, also die Unterkunft. Da kommt es darauf an, wie viele Rückzugsmöglichkeiten sie bietet. Ist es ruhig dort, die Atmosphäre freundlich, dann geht das. Die dritte Möglichkeit zu arbeiten, sind sogenannte Coworking Spaces. Sie bieten alles was das Büro in der Firma auch bietet. Technik, Mobiliar, Versorgung, Essen und Trinken. Im Grunde sind es Großraumbüros, wie sie heutzutage bei vielen Startups zu finden sind. Nur eben, wie hier auf Bali, an schönen Orten. Die Coworking Spaces sind in der Regel und aus vielerlei Gründe die geeignetsten Orte dafür. Doch dazu später mehr.

    Es gibt einige hier in Canggu. So heißt der Ort, in dem ich die drei Monate verbringen werde. Da wäre zuvorderst der Platzhirsch Dojo Bali mit vielen Nutzer und gelegentlicher Enge an den Tischen. Weitere sind das Tropical Nomad, Connco Work Hub oder Tribe Theory Bali. Die Entscheidung für das eine oder das andere hängt von den persönlichen Vorlieben ab. Ich habe mich für das Tropical entschieden. Ja, es ist nett, die Ausstattung der Räume gefällt mir, doch in erster Linie war es die Lage. Das Tropical liegt nahe meiner Unterkunft. Und da der Verkehr in Canggu mörderisch ist, ist jede Minute, die nicht auf der Straße zugebracht werden muss, Gold wert.

    So, die Basis ist gelegt. Schauen wir mal wie es weiter geht.

  • Wo ist die Expatriateabteilung? – 3 Monate Bali 3/12

    Wo ist die Expatriateabteilung? – 3 Monate Bali 3/12

    Bei größeren und vor allem den ganz großen Unternehmen gibt es interne Dienstleister für alles. Sie buchen Flüge, kümmern sich um die Unterkunft, besorgen Wohnungen, mieten Autos, kontaktieren Ärzte, regeln Behördenkram und sorgen dafür, dass der Auslandsaufschlag aufs Gehalt pünktlich kommt. Ich will ja nicht meckern, aber wo sind die jetzt?

    Dem Taxifahrer sollte ich schon erklären, wo mein Hotel denn nun genau liegt. Nein, kein Hotel, es ist ein kleines Haus. Ob es dieses hier ist? Nein ist es nicht. Oder doch jenes? Kein Ding, gemeinsam haben wir es hingekriegt.  Da gestaltete sich die Beschaffung von Bargeld schon komplizierter. Es soll an jeder Ecke ATMs geben. In Deutschland besser bekannt unter dem Namen Bargeldautomat. Es gibt genügend hier, sie tarnen sich zwar gelegentlich und sind mitunter so schwer zu erkennen wie Rehe im Wald, aber sei es drum, sie sind da.

    Von außen betrachtet wirken sie unscheinbar. Sie haben allerdings ein Eigenleben, das sich erst offenbart, wenn sie die Kreditkarte im Schlund haben. Einige lassen dann alles mit sich machen, wie bewusstlose Kaninchen. Also sollte ich die Geheimnummer eingeben, Betrag  und jede Menge Fragen nach dem Prozedere bestätigen, um ganz am Schluss den Satz auf dem Bildschirm zu lesen : „Tut uns leid, aber der Prozess kann nicht ausgeführt werden“ Einige andere ATMs geben Pfeifgeräusche von sich, als wären sie kochende Wasserkessel oder strecken gleich alle viere von sich. Leise, dunkel und still wie  ein Hochgebirgssee stehen sie vor mir.  Doch wie immer im Leben, am Ende klappt es doch. Der sechste ATM gab Geld raus. Wenig, aber ich will nicht kleinlich sein.

    Die ATMs nerven, dennoch eines wird klar. Wer als Digital Nomad durch die Welt zieht, sollte sich keinen Illusionen hingeben. Es warten überall Dinge, die nicht oder nur mau funktionieren. Das kostet Zeit, Nerven und am Ende auch Geld. Aber gut, es fällt auch sofort etwas ab. Mir ist eine neue Geschäftsidee gekommen. Ich gründe das Unternehmen DINEF. DIGITAL NOMAD EXPATRIATE FACTORY Slogan: Mach dein Ding, wir machen den Rest. Ich wäre mein erster Kunde.

  • Überleben nicht inklusive – 3 Monate Bali 2/12

    Überleben nicht inklusive – 3 Monate Bali 2/12

    Die Anreise nach Bali gestaltet sich völlig problemlos. Rein in den Flieger, einmal umgestiegen (Singapur) und das war es dann auch schon. Dauert eigentlich auch nicht viel länger, als am Wochenende durch den Elbtunnel zu fahren. Der Unterschied liegt in dem was danach kommt. Nach dem Elbtunnel kommt meistens… nichts. Ein paar Kühe entlang der Autobahn vielleicht. Nach dem Verlassen des Flughafens auf Bali kommt immer… viel. Viele Menschen, viele Autos und vor allem viele, viele, viele Motorroller, hier auch gern liebevoll, harmlos, Scooter genannt. Als Kind habe ich versehentlich mal ein Wespennest aufgescheucht, war so ein ähnliches Gewusel, nur dass die Scooter hier niemanden stechen. Sie überfahren einen einfach, was ich mir am Ende auch nicht unbedingt angenehmer vorstelle. Tut mir leid, ich will hier jetzt keine schlechte Stimmung verbreiten, aber wer mit seinem Leben Schluss machen will, sollte nicht an Brücken denken oder nachts auf Schiffen über die Reling hoppen, ein beherzter Schritt auf eine der balinesischen Hauptstraßen reicht völlig aus.

    Ankunft Flughafen Bali. Um dem Wahnsinn zu entgehen, habe ich mich durch einen gewagten Sprung in eine offene Taxitür gerettet. Was ich dann hörte, klang so verlockend, so sanft wie eine sonntägliche Predigt im Frühstücksradio. „Sir, where do you want to go?“ Ja, was weiß denn ich. Mir völlig egal. Irgendwohin. Hauptsache weg hier. All das sagte ich natürlich nicht, stattdessen zeigte ich sprachlos und so souverän wie es jemandem möglich ist, dessen Leben gerade auf der Kippe stand, auf meinem Handy die Adresse, zu der ich wollte. „Sir, please don`t walk. It is very dangerous.“ Aha, ist mir gar nicht aufgefallen. Ich dachte vielmehr, dass Scooter das probate Mittel gegen zu viele Fußgänger sind. Und sie scheinen außerordentlich erfolgreich damit zu sein. Denn außer mir war weit und breit kein Anderer auf die wahnwitzige Idee verfallen, zu Fuß zu gehen. Aber auch das behielt ich für mich.

    Meine erste Lektion auf dem Weg zur Arbeit. Gehe nie, aber auch niemals zu Fuß. Denke gar nicht erst, weshalb denn nicht, es gibt doch Bürgersteige. Was du für Bürgersteige hältst, sind allerhöchstens Parkflächen für Scooter und Autos oder Hundeschlafpätze. Wer sich da aufhält, will entweder seinem Leben ein schnelles Ende bereiten oder aber von lustigen Vierbeinern für Lebendfutter gehalten werden. Doch das ist wieder ein anderes Thema.

  • Arbeite doch wo du willst – 3 Monate Bali 1/12

    Arbeite doch wo du willst – 3 Monate Bali 1/12

    Jeden Morgen in dasselbe Gebäude, an denselben Schreibtisch und das meist auch noch zur immer gleichen Zeit, muss so der Arbeitsalltag aussehen? Vielleicht, aber es geht möglicherweise auch anders. Und wie dieses Andere aussieht, will ich die nächsten drei Monate ausprobieren. Dazu habe ich mich aufgemacht nach Bali. Diese Insel ist bekannt dafür Menschen anzuziehen, die im Prinzip überall auf der Welt arbeiten können.  Dank eines Jobs, der sich dafür eignet, und der digitalen Technik, die das ermöglicht.  Okay, dann mal los. Auf ins Getümmel der neuen Arbeitswelt.